Andacht: Ist das alles, Moses?

2.Mose 14,16

Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, dass die Israeliten hineingehen, mitten durch das Meer auf dem Trockenen.

Zuhause haben wir eine alte Standuhr. Ihr langes, bronzenes Pendel schwingt bedächtig hin und her. Zwischen jedem Klick und Klack liegt ein ruhiger Atemzug. Sie durchschreitet die Zeit gemessenen Schrittes. Vom Beginn des Tages bis zu seinem Ende ist eine Menge Raum - Zeitraum. Unsere alte Standuhr hat keine Eile. Und doch: Sie geht mit erstaunlicher Genauigkeit. Nur einmal in der Woche muss sie ein wenig nachjustiert werden.

Mein Wecker hat ein modernes Pendel, einen Quarz. Er ist winzig und versteckt. Man seht ihn nicht. Sein Tick-Tack vollzieht sich mehr als dreißigtausend Mal in der Sekunde. Atemlos hetzt er durch die Zeit. Mit gnadenloser Genauigkeit pfeift er einen unhörbaren aber mächtigen Ton. Er zwingt uns in seine Gewalt, fordert, auch die kleinsten Zeiträume mit Tun zu füllen. Und wir unterwerfen uns freiwillig. Vom Beginn des Tages bis zu seinem Ende werden die Zeiträume hinweg gefegt. Heute sind wir auf der Flucht. Wir müssen uns beeilen - oder untergehen.

Die Israeliten, als sie das Rote Meer erreichten, waren wirklich bedroht. Sie waren Bauern, Handwerker, Frauen und Kinder, einfache Leute. Die da zu jener Zeit hinter ihnen her waren, waren bis an die Zähne bewaffnete Krieger, kampferfahren und unerbittlich.

Die Israeliten saßen in der Falle. Flucht oder Kampf waren keine Option. Auf sie wartete der Tod.

Wie die Geschichte weiter erzählt, war das nicht das Ende. Statt in getriebene Hektik zu verfallen, Brücken oder Flöße zu bauen, die auch keine Rettung gebracht hätten, schrie Mose zum Himmel. Er ermutigte das verängstigte Volk. Und Gott sprach zu ihm: “Heb deinen Stab hoch und streck ihn aus über das Meer! Es wird sich teilen, und ihr könnt trockenen Fußes mitten hindurchziehen.”

Da war kein Raum für Aktionismus, keine Sekunde übrig für hektische Betriebsamkeit, angstvollem Bemühen, sich aus eigener Kraft zu retten. Da war kein ruheloser Taktgeber, der sich das Maß der Zeit einverleibte. Da war allein Gottes Wort, das vor der Bedrohung rettet. Und die, die mit schnaubenden Rossen und voller Ingrimm den Israeliten hinterher jagden, verwandelten sich, ohne es zu erkennen, von Bedrohern zu Bedrohten.

Was forderte Gott von Mose also um gerettet zu werden? Nichts anderes, als die Hand auszustrecken. Zwei Mal nur und das ägyptische Heer war besiegt. Das war alles, was Mose tun musste. Gott tat den Rest.

Gott braucht keinen Taktgeber, keine Schlagzahl, keinen, der ihm die besten Zeiten für dies oder das befiehlt. Er hat sie gemacht, die Zeit. Sie ist sein Werk. Er ist der Herr der Zeit. Er allein füllt sie aus. Aus seinem Geist kommt Anfang und Ende. Für alles. Er lässt es zu, nein, er freut sich darüber, dass du hin und wieder zwischen zwei Taktschlägen einen ruhigen Atemzug inne hälst für freudiges ‘Danke, Herr’.

Gebet:
Vater im Himmel, ich danke dir, dass du meine Füße auf breiten Raum gestellt hast. Ich danke dir, dass die Zeit, jeder Tag, ein Geschenk ist aus deiner Hand. Hilf mir in meinem Bemühen, nur dir allein zu vertrauen und stärke mich in der Erkenntnis, dass alle Rettung allein durch dich kommt. Gerade auch in den Momenten, in denen ich mich getrieben fühle, in ängstliches Tun verfalle und auf meine Kraft allein vertraue.
Amen

Gottes Segen
Detlev